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News des Präsidiums

22.02.2021
Nachruf Stefan Mickisch 1962-2021 von Rainer Fineske
Berlin, 22.02.2021

Stefan Mickisch gehörte seit Jahrzehnten zu den aktivsten und engagiertesten Musikern und Musikwissenschaftlern, die für das Werk Richard Wagners von größter Bedeutung sind und bleiben wird, davon zeugen nicht nur seine vielen legendären Einspielungen auf DVD und CD und seine Live-Auftritte mit seinen Einführungsvorträgen in Bayreuth zur Festspielzeit.

Diese garantierten ein stets ausverkauftes Haus und sie fanden in den ersten Jahren als Zusammenarbeit mit dem Richard-Wagner-Verband Bayreuth statt. Nachdem man sich getrennt hatte, gab er seine Einführungsvorträge als selbstständiger Musikwissenschaftler in Eigenregie weiter vor stets ausverkauftem Haus. Seine Vorträge in Bayreuth zur Festspielzeit waren eben nicht nur Einführungsvorträge zum am Abend gegebenen Werk Richard Wagners im Festspielhaus, sondern eigenständige musikalische Veranstaltungen mit höchsten „Einschaltquoten“, bzw. ausverkauften Plätzen.

An dieser Stelle erinnere ich sehr gern daran, dass der erste musikalische Vortrag an seinem mitgereisten Flügel über Wagners Werke in der Wiener Staatsoper innerhalb von zwei Stunden restlos ausverkauft war.

Stefan Mickisch konnte mehr als nur „Richard Wagner“! Wenn er wie kein anderer, beispielsweise in Berlin über Richard Strauss als Gast bei den Berliner Philharmonikern über dessen Werk sprach und passagenweise auswendig spielte und sprach, hingen die Gäste buchstäblich an seinen Lippen, und er genoss sichtlich seine Wirkung auf „sein Publikum“!

Seine musikalischen Vorträge umfassten nicht nur das Oeuvre des jeweiligen Komponisten, den er in den Mittelpunkt seiner Veranstaltung stellte, sondern es gelang ihm dabei auch immer Querverbindungen zu anderen Komponisten herzustellen.

Aber wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten, gesundheitlich war es nicht immer gut um ihn bestellt, besonders nicht in den letzten Jahren. Als er erklärte, er wolle Richard Wagner vom Vorwurf des Antisemitismus reinwaschen, stieß er auf starken Gegenwind und es wurde ihm die Verharmlosung des Holocaust vorgeworfen.

Jetzt in Zeiten des Corona Virus geriet er 2020 wieder in die Schlagzeilen mit Aussagen wie, „Die Gesundheitspolitik der Bundesregierung sei Corona Faschismus und er vor der drohenden Totalüberwachung warnte und sich mit dem Naziwiderständler Hans Scholl verglich. Untrügliche Zeichen sicher für seine gesundheitlichen Probleme, die ihn schon seit geraumer Zeit plagten.

Was bleibt, ist seine geniale Musikalität und das wirklich einmalige Wirken für das Werk Richard Wagners und dessen große Musik-Dramen sowie das Können, so viele Menschen mit seiner Aura und seinen musikalischen Vorträgen an seinem Flügel beglückt, begeistert und geradezu beseelt zu haben.
 

Rainer Fineske
Präsident