© Bayreuther Festspiele, Meistersinger 2018

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07.11.2019
Unter dem „Stichwort Wagner“ fand am 19. Oktober in Nürnberg ein eintägiges Siegfried-Wagner-Symposium statt
Es stand unter dem Motto: „Siegfried Wagner – Sohn – Leiter der Festspiele, Dirigent – Regisseur – Komponist, Würdigung des ersten Erneuers von Bayreuth

Fotos: Alex Moiseenko

Von Rainer Fineske, 1. Vorsitzender, Richard-Wagner-Verband Berlin-Brandenburg e.V.

Zu Beginn des eintägigen Symposiums eröffnete Frau Agnes Sires (die neue Vorsitzende RWV Nürnberg) das Symposium mit einer erfrischenden Begrüßungsrede und ausführlichen Grußworten der Bayreuther Festspielleiterin Frau Prof. Katharina Wagner, die ihren Großvater nicht nur als ihren Großvater als Familienabstammung bezeichnete, sondern auch als historische verdienstvolle Persönlichkeit würdigte, der es nicht immer leicht gefallen sei, sich durch alle politischen Strömungen seiner Zeit zu bewegen, um seine Ideen und Grundsätze zur Weiterentwicklung und Modernisierung der Festspiele durchzusetzen.

Die Kulturreferentin der Stadt Nürnberg Prof. Dr. Julia Lehner hob besonders die komplexen historisch-weltanschaulichen Zusammenhänge Siegfried Wagners hervor und ging in diesem Zusammenhang auf Raum zu mannigfaltigen Diskussionen über den Sohn Richard und Cosima Wagners ein.

Ich selbst überbrachte ein Grußwort im Namen des Präsidenten des Richard-Wagner-Verband International, der aus familiären Gründen leider verhindert war.

Günther Neumann, der Theater- und Musikwissenschaftler und Dirigent war langjähriger Beleuchtungsmeister am Nürnberger Opernhaus und Leiter der Beleuchtung am Stadttheater Fürth.

Er hielt einen Kurzvortrag über Siegfried Wagner als Einführung unter dem Titel:„Biographisches zur Geburt Siegfried Wagners“!

Prof. Peter P. Pachl, der Mitbegründer der Internationalen Siegfried-Wagner-Gesellschaft und promovierte Theater-und Musikwissenschaftler  hielt zum Symposium den „Festvortrag – Gestörte Feste

Er konnte zu diesem Thema eine klare und ausführliche Linie von den Festen bzw. gestörten Festen in den Opern des Barock bis in die Neuzeit hinein vollziehen, die auch ihren direkten Weg in das zahlreiche Opernschaffen Siegfried Wagners führten.

Der von einigen Autoren als Biografismus infrage gestellte Schlüssel zur Deutung der Bühnenwerke SW’s  als gigantische Tagebücher wird auch bei der Fokussierung auf gestörte Feste in dessen Opernhandlungen nur all zu deutlich.

Eine besonders klare Sprache fand Peter P. Pachl in seinem Vortrag durch seine jahrzehntelange praktische Erfahrung mit den Inszenierungen der Werke Siegfried Wagners an deutschen Opernhäusern und den Rudolstädter Festspielen von 1990-1995. In diesem Jahr konnte er im Markgräflichen Opernhaus Bayreuth, während der Festspiele zwei szenische Aufführungen der Oper „An allem ist Hütchen schuld“ gestalten, die zahlreiche Besucher gesehen und gehört hatten.

Daniela Klotz befasst sich parallel zu ihrem Beruf als Germanistin mit dem Themenkomplex Siegfried Wagners und seinem Verhältnis zu seinem Vater Richard Wagner. Das Thema ihrer Promotion lautet: „Intertextuelle Bezüge in Siegfried Wagners Opern unter besonderer Berücksichtigung des Banadietrich“.

Ihre ausgewogene Analyse zwischen Vater und Sohn sowie ihre Ausführungen des „Erweckungserlebnisses“ von Siegfried Wagner und der dadurch erfolgten Hintanstellung seines Architekturstudiums zu Gunsten der Widmung der Bühnenwerke seines Vaters in Bayreuth als Bühnenbildner, Dirigent und Regisseur, ließen ihn aber trotzdem zu einem eigenständigen Komponisten heranreifen, zu dem er sich nie von den Eltern gezwungen sah.

Der Vortrag von Frau Dr. Sabine Sonntag trug den Titel „Ich unfreiester Aller“ Siegfried Wagner zum 150. Geburtstag. Sie ist Regisseurin, Operndramaturgin und Autorin und lehrt seit 2001 an der Hochschule für Musik in Hannover Historische Musikwissenschaft.

Sie selbst schreibt über den Sohn von Richard und Cosima, Zitat: Siegfried Wagner war Komponist, Textdichter, Dirigent, Festspielleiter, Regisseur, Lichtvisionär, Sohn, Ehemann und Gastgeber im Haus Wahnfried für Adolf Hitler. „Zu viel zu viel“ könnte man mit dem Tannhäuser ob solcher Last sagen und schon den Vornamen empfand er als Bürde: „Er hoffte aber, nicht ganz unwürdig dieses Namens zu sein“. Sabine Sonntag rückt in ihrem Vortrag das Persönliche unter psychologischen Aspekten in den Vordergrund und geht der These nach, das Siegfried Wagner bereits bei seiner Zeugung einer so mannigfachen Belastung durch die Eltern ausgesetzt war, dass die Entwicklung zu einem frei handelnden Menschen gar nicht möglich war. 150 Jahre nach seinem Geburtstag, bleibt er für Sabine Sonntag die Schattenfigur hinter seinem Vater, seiner Bisexualität und seiner künstlerischen Selbstbestimmung. Ihn in allen seinen Widersprüchlichkeiten zu würdigen, ist ihr in großartiger Weise gelungen.   

Achim Bahr gelang es als Präsident der Internationalen Siegfried- Wagner-Gesellschaft, seinen Vortrag, der unter dem Aspekt, „Re-/Projektion – Siegfried Wagner zwischen Antizipation und Realisation“ zu stellen und klar und deutlich die unterschiedlichsten Ansprüche die an Siegfried Wagner gestellt wurden, herauszuarbeiten. Besonders in der Fehleinschätzung zur Person und den Missverständnissen zu seinen Werken, aber auch durch die Vorurteile und teilweise unerfüllbaren Ansprüche an den Sohn des „Meisters“ gestaltete Achim Bahr das Thema ausgesprochen lebendig und anschaulich. Seine Darstellung, dass Siegfried Wagner seid seiner Geburt den unterschiedlichsten Ansprüchen ausgesetzt war, die er kaum erfüllen konnte und auch nicht wollte, und daher die Anspruchsteller an seine Person durchaus auch
enttäuschte, konnte  von Achim Bahr entsprechend verdeutlicht werden

Besonders bereichernd waren zwischen den gesprochenen Vorträgen die musikalischen Beiträge der diesjährigen Stipendiatin des Nürnberger Verbandes Edita Hakobian, Klavier. Sie spielte eine Fantasie von Siegfried Wagner aus seiner Oper „Herzog Wildfang“ in einer Bearbeitung für Klavier von Eduard Reuss, in der es ihr gelang, die Kompositionsleistung Siegfried Wagners auf das Subtilste herauszuarbeiten und ihrem Publikum zu Gehör zu bringen, große Gratulation!

Ein weiterer musikalischer Vortrag wurde vom ebenfalls diesjährigen Nürnberger Stipendiaten und Bariton Hyuoho Yoo dargebracht. Er sang die Arie des Reinhart von junger Liebe aus der Oper Herzog Wildfang op. 2 von Siegfried Wagner.

Beide Stipendiaten wurden von Prof. Werner Dörmann am Klavier begleitet, der es fabelhaft verstand, die Gestaltungskraft Sänger/Innen zu besonderer Geltung zu bringen.

Die musikalischen Darbietungen erreichten ihren besonderen Höhepunkt mit der dramatischen Sopranistin Rebecca Broberg mit den „Szenen der Osterlind“ aus Herzog Wildfang op. 2 von Siegfried Wagner, begleitet am Klavier von Prof. Werner Dörmann. Die dramatische Darstellung des Inhalts und ihre intensive Gesangliche Darbietung rundeten das Symposium auf das Exklusivste ab.